Über

Reflay : Reflexion und Essay als Wechselwirkung

„Wir zwei bilden eine Vielheit.“

Ovid

Leitmotive

Motive sind immer wiederkehrende Ereignisse in einer Abfolgenreihe, so etwas wie ein Muster, das sinnbildlich für eine Einheit steht, ein Paradigma, eine harmonische Einheit des Denkens, ein Ornament des Ausdrucks. Geleitet sind diese Motive durch die schöpferische Kraft im Willen zur Gestaltung, denn der Mensch will und muss sich notwendigerweise die Welt erschaffen. Wir folgen diesem Bild mit diesem Forum, das zeitdiagnostische Deutungen und Narrative als Motivation zur kritischen Auseinandersetzung aufgreift.

Was wir hier anstreben ist ein Dialog mit Weltaneignungsversuchen, mit künstlerischen, politischen, ökonomischen, sexuellen, kulturellen und wissenschaftlichen. Immer wird die Welt in ein Bild gerückt, wir versuchen die Rahmen ins Bild zu bekommen. Eine Hybride zwischen Reflexion und Essay dient uns hierfür als gedanklicher Anker. Vermischtes Nachdenken, das in der Reflexion die Selbstbeschreibungen thematisiert und diese im essayistischen Betrachten nicht auf vorgelagerte Begriffe limitiert.

So augenschlich die Dynamik der Selbstbeschreibung ist, so einsichtig ist auch die Beweglichkeit der dafür nötigen Begriffe. Dafür soll ein Raum geschaffen werden, der den Dialog zwischen Erlebnis, Denken und Ausdruck in Schwung bringt und den darin zirkulierenden Ströme nachspürt. Im essayistischen Blick wird gesucht, werden Akzente verschoben, mit neuen Instrumenten umgeschrieben, was sonst begrifflich gar nicht erst ausdrückbar ist. Natürlich entsteht dadurch eine Rückkoppelung auf das Denken und dessen Darstellung.

Es handelt insofern ein Denken, das nicht um des Findens willen sucht, sondern vielmehr Möglichkeiten aufzeigen will, den Blick auf das Gewohnte um einige Variationen zu bereichern. So wie es ist, kann es sein, kann – das ist es, was wir aufzeigen können; Essayistisches Reflektieren und reflektierendes Essayieren.

 

Raffael Hiden & Karin Scaria-Braunstein